dctp-Gründer Alexander Kluge findet folgende Worte:
„Entweder hat Christoph Schlingensief nie gelebt, oder
er ist nicht tot. Erlöst die Nachrichten von der
menschlichen Gleichgültigkeit! Einer der großen
Charakterdarsteller des Neuen Deutschen Films ist Alfred
Edel. Er hat in meinen Filmen gespielt (z.B. in
„Abschied von gestern“) und in denen von Christoph
Schlingensief (z.B.“Das deutsche
Kettensägenmassaker“). Bei der Beerdigung von Alfred
Edel traf ich Christoph Schlingensief erstmals. Jeder von
uns hielt eine der Reden. Wenn wir später stritten, war
Alfred Edel unser Schiedsrichter.
Die Toten sind nämlich nicht tot. Mit diesem Gedanken
tröste ich mich über den Tod meines Freundes Christoph.
Mit seiner Frau Aino, die wie Beethovens Leonore
(buchstäblich bis zur letzten Minute) um sein Leben
gekämpft hat, ihn aus dem Kerker bis zuletzt befreien
wollte, teile ich die Meinung, dass er uns zusieht, was
wir jetzt machen. In seinem Auftrag bohren wir weiter. Die
Druckverhältnisse in 5500m Wassertiefe sind längst nicht
erforscht.
In Friedrich Rückerts „Kindertotenliedern“ trauern
die nicht gestorbenen Kinder über die gestorbenen
Geschwister. Es heißt dort: "Da singt die ganze
Kinderschar / sie sind nicht tot / das ist nicht wahr!".
Warum soll ich etwas anderes für wahr halten? Christoph
Schlingensief ist, wie man in den hier gezeigten Dialogen
sieht (und davon gibt es etwa 40), immer noch sehr
lebendig.“
Folgende Gespräche befinden sich in der Themenschleife:
„Christoph Schlingensief“ auf www.dctp.tv :
Szenen aus dem Leben der Heiligen Johanna / Oper von
Walter Braunfels (1943), inszeniert nach der Konzeption
von Christoph Schlingensief
Nach dem Märtyrertod der Heiligen Jeanne D'Arc hieß es,
ihr Herz sei nicht verbrannt. Schon im Augenblick ihres
Todes wurde dies als Zeichen genommen, dass hier eine
Heilige als Hexe verbrannt wurde. Das Leben der Heiligen
Johanna ist in vielen Dramen und Opern dargestellt
worden.
Zwischen 1938 und 1942 schrieb der renommierte Komponist
Walter Braunfels, von den Behörden verfolgt und isoliert,
seine Oper Jeanne D'Arc. Es geht um die Stationen ihres
Lebens, vom Aufbruch über den Triumph bis zu ihrem Sturz:
ein Triptychon in drei Teilen, die aus 8 Szenen
bestehen.
Jetzt erst erfolgte die szenische Uraufführung dieses
musikalisch reichen Werkes an der Deutschen Oper Berlin.
Konzeption und Regie von Christoph Schlingensief. Er hatte
für die Inszenierung Videos in Nepal gedreht. Bei diesen
Dreharbeiten bemerkte er die Symptome (Husten), die
später als Krebs erkannt wurden. Die Proben der Oper
fanden statt während der Chemotherapie. Schlingensief
leitete die Inszenierung vom Krankenbett aus. Seine
spätere Frau Aino Laberenz und das Regieteam Anne-Sophie
Mahler, Sören Schuhmacher und Carl Hegemann führten nach
seinen Weisungen die Oper zur Erfolgspremiere.
Musikalische Leitung: Ulf Schirmer.
Ein Blick ins Jenseits und wieder zurück / Christoph
Schlingensiefs Musiktheater „Mea culpa“ an der
Bayrischen Staatsoper München
Der grandiose Erfolg von Schlingensiefs „Mea culpa“ am
Burgtheater Wien bestätigte sich an der Bayrischen
Staatsoper München. Der ehemalige Burgtheater-Chef,
jetzige Staatsintendant der Münchner Staatsoper Klaus
Bachler, hatte das Stück an das renommierte Haus geholt.
Schlingensiefs barockes Requiem verbindet die Krebs- und
Todeserfahrung des Künstlers und Wagner Parsifal und
Tristan mit einem strikten Bekenntnis zum Diesseits. Das
Leben hier mag so absurd sein, wie es will, der
Protagonist Schlingensief hat kein Verlangen nach einem
vorzeitigen Elysium. Musikalische Leitung von
Schlingensief selbst. Ein engagiertes Team und ein
bejubelter Musiktheaterabend in der Staatsoper.
Der Mensch ist eine Bombe / Christoph Schlingensief im
Zustand geglückter Erschöpfung
Wir treffen Christoph Schlingensief inmitten der
Dreharbeiten zu seinem Projekt U-3000. Die Anstrengung hat
ihn erschöpft. Eine gute Atmosphäre für ein Gespräch.
Oft wird in der Öffentlichkeit“, sagt Christoph
Schlingensief, nach Bomben gesucht, die Terroristen
versteckt haben. Vielleicht aber, fragt Schlingensief, ist
der Mensch selbst eine Bombe? Die Show U-3000 von
Christoph Schlingensief findet in einer fahrenden U-Bahn
statt. Von Endstation zu Endstation. Ein ruhiges Gespräch
mit Christoph Schlingensief in einem Augenblick
geglückter Erschöpfung.
Reden wir vom Tod / Gespräch mit dem Theatheraktivisten
Christoph Schlingensief
Eine Saturn-Pluto-Konstallition gefährdete kurzfristig
den Theater - und Filmemacher Christoph Schlingensief.
Dreimal entrann er einer höchst gefährlichen Situation.
"Mitten im Leben sind wir von dem Tod umfangen". Der
Theateraktivist Schlingensief berichtet von seinen
Eindrücken.
Der Baum in meinem Ohr / Christof Schlingensief in
Lebensgefahr in den Tropen
Am Amazonas und in Südwestafrika inszenierte der
Künstler Christoph Schlingensief Wagner-Musik.
Gefährliche Lebewesen zu Wasser, zu Lande und in der
Luft, aber auch Samensporen ganzer Bäume gefährdeten
sein Leben. Christoph Schlingensief berichtet.
"Mein Idealzuschauer ist jung und weiblich" / Christoph
Schlingensief zu Besuch bei Helge Schneider
Anläßlich seines neuen Films "Texas" lässt sich der
Musiker Helge Schneider in seinem Eigenheim in Mülheim
von dem Filmemacher Christoph Schlingensief befragen.
Anschließend singen sie gemeinsam.
Gier nach Leben / Ein Film von Christoph Schlingensief
über Bindings Opfergang mit Helge Schneider als "bösen
Bruder"
Als Remake eines berühmten deutschen Films, hat Christoph
Schlingensief eine Schicksalstragödie um Liebe, Leben,
Krankheit und Tod geschaffen. Helge Schneider in der Rolle
des "bösen Bruders"; eine von einer Tropenkrankheit
gezeichnete junge Frau, Pferdeliebhaberin, ihr Name kann
wie Els oder wie Aids ausgesprochen werden, liebt bis zu
ihrem Tod einen jungen Mann: Willi, den Bruder des "bösen
Bruders". Hauptpersonaber ist die Mutter dieser Brüder.
Sie trug auf einem Karneval eine Maske. Der turbulente
Film trägt daher den Namen: "Mutters Maske". Alle
handelnden Personen, einschließlich der Pferde, bewegt
ein ähnliches Motiv: Gier nach Leben.
Auf des Messers Schneide / Christoph Schlingensief über
Realtheatralik
Was kann Theater noch leisten? Die moderne Realität ist
voller Theater.
Der Apothekersohn aus Oberhausen, Christoph Schlingensief,
inszeniert in Berlin, Wien und Zürich. Er konzentriert
sich auf die Nahtstelle zwischen Realität und
Bühnenrampe. Seine Inszenierungen bewegen sich stets: Auf
des Messers Schneide.
Ich bin in erster. Linie Filmemacher / Begegnung mit
Christoph Schlingensief
Christoph Schlingensiefs künstlerische Installation im
Museum der Moderne in Salzburg mit dem Titel "Hodenpark"
erregte die Gemüter. In Bayreuth inszenierte der
Künstler zum dritten Mal Wagners „Parsifal“. Im Kern
aber ist Schlingensief, wie er selbst sagt, Filmemacher.
Jetzt wurde der radikale Meister nach New York eingeladen,
ins Museum of Modern Art.
Begegnung mit Christoph Schlingensief.
Schlingensiefs Ring des Nibelungen in Afrika / Ein Kaktus
für Richard Wagner
Ein Kaktus für Richard Wagner: Sechzehn Stunden „Ring
der Nibelungen“ als Reiseoper in der Wüste
Südwest-Afrikas. Wie wirken Wagners Kostüme und Klänge
auf die Himbas? Was verwandelt sich an Wagners großem
Werk, wenn es zu den Stätten transportiert wird, an denen
die deutsche Schutztruppe vor 1914 Massaker und die
Kolonialverwaltung Betrügereien begingen?
Das Halten von Totenschädeln liegt mir nicht / Christoph
Schlingensief inszeniert Hamlet
In seiner Inszenierung des „Hamelt“ am Schauspielhaus
Zürich spielt Christoph Schlingensief die Rolle des
Fortinbras. Dieser Feldherr hat im Stück den kürzesten
Text und ist dazu da, das Chaos am Ende der Tragödie
aufzuräumen und Dänemark zu übernehmen. Aufsehen
erregte Schliengensief auch dadurch, daß er die
Schauspieler in jenem "Theaterstück außerhalb des
Dramas" (genannt DIE MAUSEFALLE), in dem König Claudius
des Mordes an Hamlets Vater überführt werden soll, mit
aussteigewillige Rechtsradikalen besetzte.
Für Schlingensief ist Shakespeares „Hamlet“ ein
Heimkehrer-Drama. Hamlet, nach einer Schwerstausbildung
als Humanist nach Dänemark zurückgekehrt, ist unfähig
zu töten. Er ist deshalb noch längst kein Zweifler, sagt
Schlingensief, vielmehr ist er das Gegenteil eines
Barbaren. Schlingensief sieht seine berühmt gewordene
Inszenierung im Rahmen einer Trilogie, in der auf
„Hamlet“, „Wilhelm Tell" und „Nathan, der Weise“
folgen.
Direktlink zur Themenschleife: :
http://bit.ly/cxmKub
Christoph Schlingensief live - auf
Die Toten sind nicht tot - Kein Nachruf.
26.08.2010
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