Angesichts von zahlreichen Korruptionsmanagern, die uns die Medien in unseren Tagen permanent in unseren Alltag schwemmen und deren Gier so grenzenlos zu sein scheint wie ihre Spitzenfunktion, ist jedes Buch emphatisch zu begrüßen, das Unternehmensführung auf eine ethische, auf eine humane Basis zu gründen versucht und hierfür ein sinn- und wert(e)orientiertes Menschenbild zugrunde legt.
Dies gilt uneingeschränkt auch für das Buch von Andreas
Wingartz, das im ersten Teil (S. 23-88) gekonnt den
Menschen als sinn-suchendes und ent-scheidendes, als
freies und verantwortliches Wesen zeichnet, die
Entscheidungsprozesse der Unternehmensführer als
Wertediskussionen kennzeichnet und die oftmals ego-manen
Selbstverwirklichungs-Tendenzen zurückbindet auf Sinn-
und Werteverwirklichung, Selbstverwirklichung also sieht
als Resultat und Erfolg des Strebens nach Sinn und Werten.
Eine humane Unternehmenskultur möge sich zu einer
Kommunikationskultur wandeln, und die ist das Ergebnis der
Persönlichkeitsbildung eines Menschen, ein Aspekt, den
Wingartz nicht auslässt, jedoch nicht ausführlich genug
expliziert. Er versucht freilich beredt, nicht nur den
Themenkreis Humanität und Wirtschaftlichkeit zusammen zu
bringen (Wirtschaftlichkeit trotz Humanität, besser
gesagt, Wirtschaftlichkeit durch Humanität, S. 9),
sondern auch die zwei wichtigsten Elemente, die
Lebensführung und Unternehmensführung zu verbinden
vermögen, explizit zu benennen, nämlich
Werteorientierung und Sinnzentrierung.
Wer jedenfalls als Führungsverantwortlicher nicht bereit
ist, etwas für seine eigene Persönlichkeit zu tun, ist
schlicht und einfach unqualifiziert, mag er auch noch so
viele Diplome oder andere Leistungsnachweise besitzen. Es
ist ein unabdingbares Muss für jeden Führenden zu
prüfen, welche Persönlichkeitsauswirkung er ausübt und
was daran im Sinne der Menschlichkeit und der
Vertrauensbildung zu verändern ist.
Ethisch, und damit auf der Linie zum Humanum, ist eine
Unternehmenskultur, wenn sie die Entwicklung eines
Wertbewusstseins in der menschlichen Persönlichkeit zum
Inhalt hat. Das heißt: Das auf der Basis einer
konstruktiven Gewissensbildung erworbene und entwickelte
Maß an Sittlichkeit ist die Vorbedingung für die
Wertschätzung und Würde in der Kommunikation - sie
lässt Freiheit zu, wie sie auch für sich Freiheit
einfordert: Führen (also) durch Wertschätzen, ein
Gedanke, der sich durch das ganze Buch virulent durchzieht
und nicht nur im Themenkreis Wie kann echte Führung
gelingen? (S. 92-96), Der Mensch steht im Mittelpunkt (S.
96-99) und Über die Motivation (S. 108-115) anklingt. Es
ist fürwahr unbestritten, dass wichtig an einem
Unternehmen nur die Menschen (sind), die dafür arbeiten,
und der Geist, in dem sie es tun (H. Nordhoff) oder mit
R.K. Sprenger gesagt: Die Art und Weise, wie Menschen
miteinander umgehen, wird zum entscheidenden
Erfolgsfaktor.
Natürlich zeichnet Wingartz in beiden Teilen seiner
Arbeit (im zweiten Teil erweist er sich als wahrer Kenner
der Unternehmerszene! Vision, Mission, Strategie, S. 130-
133, Warum Werte wichtig sind, S. 133-145) ein
idealtypisches Menschenbild, aber das ist gut so, denn
schon Goethe hat die Idealtypik als ebenso richtig wie
notwendig erachtet, wenn er uns ins Stammbuch schreibt:
Wenn wir die Menschen so nehmen, wie sie sind, dann machen
wir sie schlechter, als sie sind; wenn wir sie aber so
nehmen, wie sie sein sollen, dann machen wir sie zum dem,
was sie sein können.
Ein idealisierendes Menschenbild ist immer dort nötig, wo
wir dem Menschen auf eine höhere (geistige) Ebene seines
Menschseins elevieren wollen, jenseits der totalen
Verhaftung im Psychophysikum seiner Triebstruktur, und
dies gilt auch hinsichtlich eines sittlichen, d.h. humanen
Anforderungsprofils von Verantwortungsträgern, also
Führungskräften oder Unternehmensleitern, die sich durch
soziale, ethische und interaktiv-kommunikative Kompetenz
als führungsgeeignet auszuweisen haben.
Führen heißt letztlich nicht nur, sich auf den ganzen
Menschen einzustellen, wobei die ganze Bedürfnis- und
Erwartungspalette des Mitarbeiters ebenso zu
berücksichtigen ist wie zu wissen, welche Werte ihm
wichtig sind und was für ihn Sinn macht, sondern es muss
auch mitbedacht werden, dass Führung, die sich irgendwie
legitimieren will, an erster Stelle nachweisen muss, dass
sie sowohl die Persönlichkeit des Führenden als auch die
des Geführten eher entwickelt als zerstört.
Dann erst kann uneingeschränkt gelten: Verantwortetes
Führen als Menschenführung muss in einer reifen
Persönlichkeit verankert sein, was bedeutet, dass die
Führungsfähigkeit in das Postulat einer kontinuierlichen
Persönlichkeitsbildung eingebunden werden sollte.
Der Autor weiß sehr wohl, dass nicht jeder, der in der
vorder(st)en Riege eines Unternehmens steht, von
vornherein und eben deshalb auch schon menschlich reif
(genug) ist, ein Führender zu sein. M.a.W.: Menschen, die
nach ihrer sozial-hierarchischen Einstufung
Führungskräfte sind, bedürfen selbst noch stark der
Führung, oder anders gesagt: Wer Menschen führen will,
möge gelernt haben, sich selbst zu führen, wie dies
bereits Peter F. Drucker ausformuliert hat: Nur wenige
Führungskräfte sehen ein, dass sie letztlich nur eine
einzige Person führen können und auch müssen.
Diese Person sind sie selbst. Persönlichkeit ist eben
nicht nur reine Vorgegebenheit, sie ist vielmehr eine
Aufgabe! Nur wenn man dies ernsthaft bedenkt, vermag man
Führung aus dem rein sub-humanen Sumpf herauszuziehen.
Das Anliegen Wingartz, dies mit humane(n) Gesichtspunkten
einer zeitgemäßen Führung zu bewerkstelligen, ist mehr
als dankenswert.
Das vorliegende Buch, das auf mehreren Seiten auch noch
weiterführende Literatur empfiehlt und sich in seiner
Gedankenführung auf kompetente, jedoch nie aufdringlich
anbiedernde Weise an der Logotherapie des Arzt-Philosophen
Viktor E. Frank orientiert (Der Mensch ist ein Wesen auf
der Suche nach Sinn), ist sehr empfehlenswert und gehört
in die Hand eines jeden, der Wirtschaft und Humanität,
Sinn und Wert, Führung und Sittlichkeit zusammen zu
bringen privilegiert ist.
© Dr. Bernhard A. Grimm, Scheyern / Web:
http://www.dr-bernhard-grimm.de/
Andreas Wingartz - An mir führt kein Weg vorbei.
Humane Gesichtspunkte einer zeitgemäßen Führung
EOS-Verlag, St. Ottilien 2007, 145 Seiten, € 14,80, ISBN
978-3-8306-7291-3
Autorenporträt:
Andreas Wingartz ist Qualitätsmanager und Betriebsleiter
in einem mittelständischen Betrieb, und absolvierte
Studien des Maschinenbaus und der Logotherapie.
Kontaktinformationen:
Süddeutsches Institut für Logotherapie GmbH
82256 Fürstenfeldbruck, Geschwister Scholl-Platz 8
Telefon: 08141-18041, Fax: 08141-15195
E-mail: info@logotherapie.de
Über den Autor:
Dr. phil. Bernhard A. Grimm arbeitet seit nunmehr zwanzig
Jahren als Referent, Seminarleiter und Dozent für
angewandte Philosophie, Persönlichkeitsbildung,
Führungsethik und Logotheorie / Existenzanalyse.
Es ist ihm ein Anliegen und Bedürfnis, den Menschen unter
dem Aspekt: Tanken Sie auf: Körper - Seele - Geist sowohl
Denkanstöße für ihre individuelle Entwicklung zu geben
als auch Orientierungshilfe anzubieten für ihren
persönlichen und beruflichen Alltag.
Beitrag von Winfried Brumma
www.wbrnet.info/presse.html



