Die
lebensfrohe, hoffnungsvolle Generation 50plus ist in aller
Munde - doch im Gegensatz zu den Frauen sind Männer über
50 noch weitgehend unerforschte Wesen.
Dabei hält gerade diese Lebensphase zahlreiche Fallen
für das männliche Selbstverständnis bereit: Bedeutet
das Nachlassen der körperlichen Leistungsfähigkeit das
Ende der Männlichkeit? Gibt es ein Leben nach der
Berufstätigkeit? Welche Freiräume und Chancen bieten
sich - und was lässt man besser sein?
Fest steht: Noch nie hatte man(n) so viele Möglichkeiten
wie heute, den neuen Lebensabschnitt zu gestalten - und
noch nie musste man sich mit dieser späten Freiheit so
intensiv beschäftigen.
Dr. Eckart Hammer, Professor für Soziale Arbeit an der
Evangelischen Hochschule Ludwigsburg, stellt die
Erkenntnisse seines viel beachteten Informations- und
Orientierungsbuches "Männer altern anders" für Männer
ab 50 und alle, die mit ihnen leben, vor.
Der Vortrag von Dr. Eckart Hammer findet am 4. November
2008 um 19.30 Uhr im Evangelischen Forum Kassel am
Lutherplatz statt.
Die Rezension zum Buch von Eckart Hammer "Männer
altern anders" schrieb Rainer Neutzling (Autor des
Longsellers "Kleine Helden in Not"):
"Älterwerden ist gar nicht so schlecht, wenn man die
Alternative bedenkt", lautet das augenzwinkernde Bonmot
des Sängers und Schauspielers Maurice Chévalier. Und
weil Eckart Hammer nicht nur Professor für Gerontologie,
sondern seit Jahrzehnten auch mit der Männerfrage befasst
ist, außerdem selbst bereits die 50 überschritten und
sich gewiss für die Erste der beiden Alternativen
entschieden hat, legt er nun ein so schönes wie
augenzwinkerndes Buch über das Älterwerden von Männern
vor.
Da gemeinhin niemand alt sein will, es aber alle werden
wollen, stellt sich auch für Männer die Frage, wie sie
ihr Leben jenseits der 50, 60, 70 oder 80 Jahre angehen
könnten, auf dass es ein gutes Leben bleibt oder
vielleicht sogar erst werde. Man merkt dem Buch "Männer
altern anders" an, das Eckart Hammer geübt ist in der
verständlichen Vermittlung wissenschaftlicher
Zusammenhänge. Er kennt die Altersforschung und wartet
immer wieder mit erstaunlichen Fakten auf, ohne seine
Leser mit einem Übermaß an Daten und Zahlen zu
erdrücken.
Natürlich leisten vor allem Frauen häusliche
Pflegearbeiten, und natürlich leben sie länger als ihre
Männer, doch beträgt der Männeranteil an der
häuslichen Pflege beachtliche 40 Prozent, und immerhin 15
Prozent aller Männer jenseits der 65 werden Witwer.
Vergleichsweise wenig, sicher, aber deswegen braucht man
sie nicht gleich vergessen.
Überhaupt möchte Eckart Hammer mit seinem Buch dazu
beitragen, dass der alternde Mann kein unbekanntes Wesen
mehr in der Gerontologie ist. Nicht nur die
(feministische) Altersforschung hat sich in der
Vergangenheit meist nur vermittelt für die "Minderheit"
der alten Männer interessiert. Auch die Männerforschung
hat sich (gemäß des eher jüngeren Alters ihrer
Protagonisten) des Themas bislang kaum angenommen.
Und so macht sich der Autor daran, den älter werdenden
Mann in zahlreichen Facetten seiner Lebenswirklichkeit
auszuleuchten. Das Buch analysiert den männlichen Alltag
aus den Blickwinkeln Arbeit, Soziales Netz, Körper,
Materielle Sicherheit und Sinn. Welche Sorgen und Nöte
treiben die Männer um? Welche sozialen Beschränkungen
prägen das männliche Älterwerden? Welche Potenziale
gelte es (endlich) zu heben?
Nicht von ungefähr drängt Eckart Hammer wiederholt
darauf, mehr männergerechte Angebote in der Altenhilfe
und -pflege zu schaffen. Und als ehemaliger Leiter eines
Heims weiß er zudem, wovon er redet, wenn er die "alten
Heimkasernen" am liebsten zugunsten von "neuen,
phantasievollen Mischkonstruktionen aus professioneller,
bürgerschaftlicher und Selbsthilfe" abschaffen würde.
Im Kern aber ist "Männer altern anders" ein Buch für den
gemeinen Mann, der die 50 gerade überschritten hat und
spätestens jetzt damit anfangen sollte, sich über seine
nähere Zukunft Gedanken zu machen. Dazu gibt der Autor
viele angenehm zugewandte Tipps, die am Ende sämtlich
darauf hinauslaufen, alles etwas langsamer angehen zu
lassen, mehr zu genießen, sich mehr Zärtlichkeit zu
gönnen, überhaupt den vergessenen und verdrängten
Bedürfnissen mehr Raum zu geben: Nicht mehr den Helden
spielen zu müssen.
"Männer altern anders" ist ein so nachdenkliches wie
warmherziges Buch von einem in die Jahre gekommenen Mann
für seine Geschlechts- und Altersgenossen. Man könnte
mit ihm mal wandern gehen, schauen, verschnaufen und die
Anderen weiter rennen und raufen lassen. Das alles liest
sich übrigens sehr augenfreundlich. Nicht direkt
Großdruck, aber luftiger und größer gesetzt als
üblich. Genau richtig also für Menschen ab 50.
Eckart Hammer: Männer altern anders. Eine
Gebrauchsanweisung. Herder Verlag. Freiburg 2007.
14,90 Euro
Quelle: mit freundlicher Genehmigung von Eckart
Hammer, Rainer Neutzling und Mario Wiegel www.mariowiegel.de



