Eine Reihe von Fusionen stehen unter dem Stern „Megalomanie“. Die vollmundigen Versprechen der Initiatoren hinsichtlich Synergie-Effekte, Marktauftritt usw. stellen sich selten in der prognostizierten Form ein. Sie werden vorsichtshalber auch nicht nachgerechnet bzw. dokumentiert. Vermutlich wären die Ergebnisse fatal.
Denn die Entscheidung für eine Fusion fällt eher nicht auf der Basis von berechenbaren Fakten, sondern zu einem Gutteil aus dem Bauch der Verantwortlichen: Macht, Eitelkeiten, Revanche, persönliche und politische Beziehungen. Fakten werden später nachgeliefert. Und kommen nie.
Fusionen unterliegen Irrtümern die permanent übersehen werden und zum Teil die schön geredeten Synergie-Effekte konterkarieren.
1. Irrtum:
Hohe Synergie-Effekte.
Natürlich lassen sich Abteilungen, EDV, Arbeitsabläufe
zusammenlegen und so Einsparungen erzielen. Meist sind
diese Faktoren aber gar nicht kompatibel. Eine
Zusammenlegung kostet z.T. hohe Investitionen und viel
Zeit. Von den „berechneten“ Synergie-Effekten bleiben
so meist nur 10 - 20% übrig. Reibungsverluste nicht
berechnet.
2. Irrtum: Verbesserter
Marktauftritt durch Größe.
Nur ein Beispiel: Red Bull hat seinen vorzüglichen
Marktauftritt mit einer hervorragenden
Marketing-Konzeption und nicht durch Fusionen
erreicht.
3. Irrtum: Exakte
Fusionsplanung.
Der Teufel steckt im Detail und das kann nicht geplant
werden. Darüber hinaus werden wesentliche Teilbereiche
überhaupt nicht in die Planung einbezogen: der Umgang mit
den Mitarbeitern.
4. Irrtum: Alle Probleme
im Griff.
Selten werden Analysen der sachlichen und menschlichen
Problemstellungen durchgeführt. Dementsprechend sehen
auch die Vorsorge-Maßnahmen aus, die auch schon mal an
den Problemen vorbeilaufen.
5. Irrtum:
Schnittstellenprobleme sind gezielt beherrschbar.
Die wirklich relevanten Vernetzungen der Arbeitsabläufe
in den fusionierten Unternehmen sind z.T. so komplex, dass
sie in den mittelfristigen Planungen kaum erfasst werden
und so durch gezielte Maßnahmen nicht beherrscht werden
können. Ende vom Lied: Alle sind überrascht.
6. Irrtum: Volle Motivation der Mitarbeiter.
Ein Wunschdenken. Die Mitarbeiter und ihre Ängste,
Revierkämpfe, innere Emigration (bis zum burnout),
Aggressionen, Mobbing usw. werden sträflich
vernachlässigt. Leistungsverluste durch Demotivation: Ca.
15-35%.
7. Irrtum: Kosteneinsparung durch
gezielte Mitarbeiterselektion.
Weder klare Stellenbeschreibungen noch einheitliche
Mitarbeiterbeurteilungen lassen eine gezielte
Mitarbeiterselektion zu. Was bleibt ist Daumenpeilung,
Sozialfaktoren u.ä. Die guten Mitarbeiter testen meist
schon vorher den Arbeitsmarkt. So unsere Erfahrungen als
Headhunter.
8. Irrtum: Die Mitarbeiter sind
gut informiert. (klicken Sie hier und lesen Sie mehr)
Bei den meisten Fusionen herrscht ein für die Mitarbeiter
deprimierender Informationsnotstand. Und die
Gerüchteküche brodelt. Negativ.
Und die Schlussfolgerung?
Natürlich treten diese Irrtümer in unterschiedlicher Konstellation und Wertigkeit bei einer Fusion auf. Vorbeugend sollte man aber die vorhandenen Instrumente nutzen, um die Risiken zu minimieren, die aus diesen Irrtümern entstehen.
° Exakte Szenario-Technik
° Problemanalysen, die die wichtigsten Probleme formulieren und bewerten.(Schnittstellen-Analysen, Markt-Analysen, Motivations-Analysen -inkl. Psychogramme- usw.)
° Motivations-Konzept (Identifikationskonzept, Abbau der Ängste usw.)
° Informations-Konzept (Informationsumfang, Medieneinsatz, Steuerung der Informationskanäle usw.)
° Institutionalisierung des Change-Managements
° Frühwarn-Systeme, die auftretende Probleme signalisieren.
° Trainings-Module/Workshops, um in geeigneter Form Frustrationen abzubauen, Informationen zu geben und Probleme gemeinsam zu lösen.
Die vorliegenden Instrumente sind gute Ansatzpunkte, um Fusionsprobleme zu lösen. Von den Führungskräften ist aber ein erhebliches Maß an Intuition, Fingerspitzengefühl, Weitsicht und Aufgeschlossenheit gefordert.
Vielleicht ist das aber der 9. Irrtum.
Autor: Wolfgang F. Krinner, Unternehmensberater München



